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Wolves In The Throne Room
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Wolves In The Throne Room, 30.05.2010

Münster - Gleis 22


In einem Jahr kann so viel passieren. Rein musikalisch kann so viel passieren. So viele Reviews, so viele verschiedene Stile, höher-schneller-weiter und das Ganze wieder zurück. Manchmal ist die Flut einfach erdrückend. Und leider kann man in solch einer Zeit auch ungewollt vergessen, welch grandiose, ja anbetungswürdige Momente man bereits erleben durfte. So wie vor fast einem Jahr an einem heißen Juni-Tag in Hamburg…



…bei WOLVES IN THE THRONE ROOM, die mit ihrer aktuellen Tour heute Halt in Münster machen, und das wirklich unkonventionell gemütliche Gleis 22 mit 230 Zahlenden fast ausverkaufen. Die verregnete Hinfahrt sorgte für die passende Stimmung, doch auf Live-Erlebnisse wie diese ist man niemals vorbereitet. Dieses Mal erkämpfte ich mir früh genug einen geeigneten Platz vor der Bühne. Die Musik sollte mich vereinnahmen. Die spartanisch beleuchteten Backdrops waren das Fenster zu einer anderen Welt, die Kerzen auf der Bühne die Wegweiser und das Brüderpaar Aaron und Nathan Weaver nebst Zweitgitarrist Will Lindsay die zu Noten gewordene, allmächtige Hand von Mutter Natur. Kein Krieg, kein Hass, keine Liebe, keine Zuneigung - nur reinster Einklang. Der Mensch, die Natur und die Musik - im wahrsten Sinne des Wortes eine Naturgewalt, von der man sich entweder in einen körperlichen/geistigen Rausch versetzen lässt, oder sie einfach stillschweigend mit größtmöglicher Ehrfurcht in sich aufnimmt. Abermals zählte ich in einem zeitlosen Raum vier Werke vertonter Kunst, deren sehr wohl mögliche Betitelung trotzdem reine Verschwendung wäre. Hier sind elementare Kräfte am Werk. Kurz vor Schluss erinnerte ich mich an meine letzten Worte des letzten Jahres: "Selbst der Schluss-Applaus erscheint mir verhalten - lieber wäre wohl jeder zur Band gegangen, hätte Hände geschüttelt und wortlos "Danke" gesagt … das hätte ich am liebsten getan!" Und heute tat ich, wie ich mir selbst auferlegt hatte - ein Blick in die Augen von Sänger Nathan sagte mir, ich hatte die richtige Entscheidung getroffen.

Mit DIE WEGE EINER FREIHEIT gab es heute sogar einen Opener, der zwar ziemlich pfeilschnellen und Melodie angereicherten Black Metal zum Besten gab, aber erstens vom Erscheinungsbild her so gar nicht zur Musik passte, und zweitens gegen den Headliner einfach nicht den Hauch einer Chance hatte.


Text: Siegfried Wehkamp