Bremen - Tower Support: Severe Torture & Despondency
Dew-Scented haben sich im Verlauf von nunmehr 18 Jahren zweifelsfrei einen Platz ganz weit oben unter den deutschen Thrash Bands erarbeitet. Mit "Invocation" ist soeben das 8. Album der Truppe um Fronter Leif Jensen erschienen, und das wird heute im Tower in Bremen mit einer entsprechenden Releaseshow gefeiert. Unterstützung bekommt man dabei von Despondency aus Leer, und Severe Torture aus den Niederlanden, die für die ursprünglich geplanten God Dethroned eingesprungen sind.
Pünktlich auf die Minute starten DESPONDENCY in den heutigen Abend, und erfreulicherweise ist der Club trotz des (endlich mal) schönen und warmen Wetters schon ganz ordentlich gefüllt. Die Truppe startet vom ersten Takt an gleich voll durch, und bläst eine übelst aggressive Soundwand ins Publikum. Brutalo Death im amerikanischen Stil, hier und da mit einer Prise Grind versehen. Fans von Disavowed, Suffocation, Disgorge & Co. kommen dabei voll auf ihre Kosten - und das scheinen heute durchaus einige zu sein, denn vor der Bühne wird schon ordentlich gebangt und gefeiert. Mit starken Songs wie "Rise of the nemesis" kann die Band aus Ostfriesland ein ums andere Mal punkten. Klasse Auftakt.
SEVERE TORTURE aus den Niederlanden sind musikalisch vom Grundtenor her recht ähnlich gelagert, erinnern aber ein wenig mehr an Cannibal Corpse, und haben über weite Strecken melodischere Songs und klarere Songstrukturen. Ich bin jedenfalls vom ersten Moment an ziemlich erstaunt und überrascht, mit welcher Präzision die Band hier auftrumpft, und mal eben einen starken Song nach dem anderen raushaut. "Buried hatchet", "Slaughtered" (Titelsong des demnächst erscheinenden neuen Albums) oder "End of Christ" sorgen für einen mittlerweile gut gefüllten Club und ausgelassene Stimmung. Für mich auf jeden Fall eine kleine Überraschung, und in Anbetracht der bereits 13jährigen Bandgeschichte, habe ich da einiges aufzuarbeiten.
Bei DEW-SCENTED nimmt das Gedränge natürlich zu. Es ist ja auch fast ein Heimspiel für die Band, die in ihren Reihen wieder einmal 3 neue Bandmitglieder begrüßen kann. Die Kontanz im Line Up war ja immer schon so ein kleines Problemchen bei Dew-Scented - aber solange die Konstanz auf der Bühne und bei den Songs stimmt, kann einem das natürlich egal sein. Und genau diese Konstanz zeigt sich heute Abend wieder einmal ganz deutlich, und macht die Truppe um Leif Jensen (einziges noch verbliebenes Gründungsmitglied) zu einer (ge-)wichtigen Band im deutschen (Thrash) Metal. Bei einem Releasekonzert zu einer neuen Scheibe, gibt es natürlich auch entsprechend viel neues Material zu hören. Ganze sieben Stücke von "Invocation" finden heute ihren Weg in die Setlist, darunter so starke Songs wie "Arise from decay" oder "Comdemnation" - natürlich perfekt kombiniert mit älteren Stücken wie "Rituals of time" und Klassikern wie "Acts of rage". Das Publikum ist erstaunlich gemischt, von 16 bis 45 Jahren, und langhaarige Metaller mit Kutte stehen neben dem klassischen "Basecap-Typen". Metal kennt eben keine Grenzen. Die Stimmung ist natürlich perfekt, vereinzelte Stagediver kann man im Laufe des Sets auch verzeichnen, und Sänger Leif gibt sich höchst sympathisch und humorvoll. So "entschuldigt" er sich beispielsweise für die ungewöhnliche Länge des heutigen Sets, bietet aber sofort an: "Wenn ihr eben eine rauchen gehen wollt, machen wir eine Pause!?". Was für ein Schelm. Alles in allem ein Abend, wie er perfekter kaum hätte sein können. Auf den Zugabenteil muss ich zwar leider verzichten, da die Deutsche Bahn wohl nicht auf mich gewartet hätte, aber das ist gerade noch zu verschmerzen.
Setlist Dew-Scented
Downfall (Intro) Turn to ash Arise from decay The invocation Cities of the dead Never to return Have no mercy on us Condemnation Rituals of time Bitter conflict Into the arms of misery Hobbit motherfuckers Artificial life Locked in motion Soul poison